Codex Belli

Freikampf nach Codex Belli bedeutet, das wir ein Sportfechten nach dem Regelwerk des Codex Belli betreiben.

Ziel dieses Sportes ist es, den Partner mit einem Sportgerät, das so ähnlich aussieht wie eine Waffe, innerhalb von festgelegten Trefferzonen so zu treffen, dass er nicht verletzt wird.

Das zeigt sehr deutlich: Diese Form des Freikampfes hat sehr viel mit dem allseits bekannten Sportfechten zu tun oder mit Kendo - aber nichts mit einem Schwertkampf auf Leben und Tod. Und damit finden auch die Techniken, die in der historischen europäischen Kampfkunst regelmäßig verwendet werden, im Freikampf nach Codex Belli keine Anwendung.

Wir trainieren seit 2008 nach diesem Regelwerk, nachdem wir in den Jahren vorher immer mal wieder, aber ohne ein regelmäßiges Training, auf Mittelaltermärkten nach diesem System gekämpft haben.

Die Regeln des Codex Belli findet ihr hier und an vielen anderen Stellen im Netz.

Kurz zusammenfasst gelten für stumpfe Schwerter, Äxte und ähnliche kurze Waffen die links dargestellten Trefferzonen in blau. Diese Trefferzonen gelten auch für die langstilige Bartaxt. Stiche sind mit diesen Waffen grundsätzlich verboten.

Die rot gekennzeichneten Trefferzonen sind absolut verboten und führen sofort zur Disqualifizierung. Kommt das einmal vor, dann ist nur der Kampf verloren. Kommt es öfters vor, dann wird man von Kampfplatz verbannt und darf noch mal woanders üben.

Für Langwaffen wie Speere, Helbarten, etc. gelten die im rechten Bild gekennzeichneten Trefferzonen, wobei nur Stiche erlaubt sind, die von oben nach unten geführt werden. Die maximal zugelassene Länge von Langwaffen beträgt meist 3 Meter. Mit diesen Waffen sind nur Stiche erlaubt.

Was genau ein Treffer ist und wie diese Regeln im Detail zu interpretieren sind? Diese Fragen stellt Ihr am besten mal auf einem Markt. Wenn ihr unterschiedliche Antworten erhaltet, dann macht euch nichts daraus. Jede Gruppe macht das etwas anders.

Neben dem strengen Codex Belli gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, die Trefferzonen oder die Regel zu erweitern und mehr zu erlauben. Im Grunde ist es immer eine Sache der beiden Partner, hier eine Einigung zu erzielen.

Wird einer der Partner getroffen, ohne dass der Gegenüber getroffen wird, hat der Unversehrte den Kampf gewonnen. Es beginnt ein neuer Kampf.

Treffen beide Partner gleichzeitig, dann hat keiner gewonnen (Double) und der Kampf beginnt von neuem.

Ein solcher Kampf dauert meisten nur wenige Sekunden. Selbst ein geübter Beobachter sieht nicht immer, wer wen getroffen hat und wo. Das macht diese Sportart nicht so attraktiv für das Publikum eines Mittelaltermarktes wie ein Schaukampf.

Mit einigen Erklärungen ist das Interesse der Zuschauer recht groß.

Es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen Spielen, die unter diesem Regelwerk gekämpft werden.

Dazu gehören ganze Feldschlachten mit weit über hundert Teilnehmern, aber auch Schlachtreihen unterschiedlicher Länge, Brückenkampf, Einzelkämpfe und das alles noch als Honor (als mit Ehre, so dass eine Gruppe gegen die andere kämpft) und als Dishonor, bei dem auch hinterhältige Angriffe erlaubt sind und jeder gegen jeden kämpft.

Insgesamt ist es eine sehr vielseite Sportart, die sowohl die Kondition, als auch die Reaktionsfähigkeit wesentlich verbessert und die sehr viel Spaß macht.

Das Verletzungsrisiko ist, eine Schutzausrüstung voraus gesetzt, nicht größer als beim Football, Eishockey etc. Blaue Flecken sind normal - schwere Verletzungen ausgesprochen selten.

Wie bei jedem Sport ist ein regelmäßiges Training für den Erfolg notwendig. Anfängern ist dringend zu empfehlen zunächst einmal mit einem erfahrenen Kämpfer zu üben, bevor sie auf einen Kampfplatz gehen.

Die meisten Schaukampfwaffen sind waffenähnlich aussehende Brechstangen, die besser eine Eisenbahnschiene geworden wären. Für den Schaukampf ist das notwendig, weil schlechte Schaukampfgruppen glauben, dass die Klingen in einem Schwertkampf ständig gegeneinander gehauen werden.

Diese Schwerter sind für diesen Sport einfach nicht geeignet. Leider wird von den meisten Händlern nicht zwischen Schaukampftauglich und Fechtschwertern unterschieden. Wenn ihr mit dem Schwert fechten wollt, dann nehmt einen erfahrenen Fechter zum dem Kauf mit. Das erspart nutzlose Geldausgaben.

Noch mehr als bei anderen Sportarten sind wir hier auf die Fairness des Partners angewiesen. Manchmal weiss man selber nicht, ob man den anderen nun noch innerhalb der Trefferzone getroffen hat oder schon außerhalb. In einigen Fällen weiss man nicht, ob man überhaupt getroffen hat oder nicht. Derjenige, der getroffen wurde, merkt es aber zumeist sehr deutlich.

Leider wird diese Situation von sogenannten Unsterblichen ausgenutzt, die grundsätzlich keinen Treffer bemerken. Unsterbliche sind der Grund, warum Anfänger schnell den Spaß verlieren. Erfahrene Kämpfer haben eine einfache Lösung für das Problem. Die Worte des Unsterblichen zwischen den Kämpfen sind dabei: "Das hab ich nicht bemerkt", "Da hab ich aber nichts gefüht" -- "Au tut das weh, so feste darfst Du aber nicht schlagen. Jetzt habe ich ja einen grünblauen Flecken am Oberarm. Das ist gemein. Jetzt spiel ich aber nicht mehr mit" -- Aus Sicht der anderen Kämpfer ist das dann immer eine sehr willkommene Entscheidung :-)